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Ein Blog, in dem wir uns mit Inhalten aus Gesundheit, Sport und Training beschäftigen möchten. Hierfür laden wir uns viele interessante Menschen aus Sport, Medizin und Wirtschaft ein.
Unser heutiger Gast ist Fußballtorwart Lukas Schneller. Er ist schon seit der U12 Teil des FC Bayern München. Hinter ihm liegt jedoch eine extrem lange Verletzungszeit, über die wir heute mit Ihm sprechen möchten.
„Servus Lukas! Du hattest eine schwere Verletzung in Deiner jungen Karriere, die immer wieder aufgetreten ist. Kannst Du uns bitte mal genau erzählen, wie Deine Leidenszeit ablief.“
„Gerne! Ich habe mir damals im Training einen Muskelfaserriss im vorderen Oberschenkel zugezogen. Das vermuten wir rückwirkend zumindest. Das war im Oktober 2021. Ich habe dann ca. sechs Wochen Reha gemacht und bin wieder zurück zur Mannschaft. Aber direkt am zweiten Tag habe ich mich bei einem Spiel, kurz nach der Halbzeit wieder an der gleichen Stelle verletzt, diesmal aber noch zusätzlich die Sehne. Wir haben es konservativ, also ohne Operation, versucht. Nach nur vier Wochen in der Reha kam aber eine Reruptur dazu. Wir haben es wieder konservativ versucht, aber auch da kam es nach einigen Wochen zur erneuten Reruptur. Danach bin ich nach Berlin geschickt worden und wurde in der Charité operiert. Diesmal habe ich die Reha nicht beim Verein gemacht, um einfach einen Tapetenwechsel zu erfahren. Nach acht Monaten kam es bei einem „Drop Kick“ auf dem Platz wieder zu einer Reruptur. Die letzte Reruptur war für mich besonders erschütternd. Dieses Mal wurde ich in München operiert und habe meine Reha dort, wieder extern gemacht. Dann konnte ich nach insgesamt über zwei Jahren endlich mein Comeback feiern.“
„In diesen zwei Jahren hast Du insgesamt einen Muskelfaserriss, vier Muskelsehnenrisse und zwei Operationen nacheinander durchlebt. Was war Deiner Meinung nach entscheidend, dass es bei der zweiten OP und der anschließenden Reha geklappt hat.“
„Ich glaube es war das Zusammenspiel aus mehreren Faktoren. Für die zweite Operation haben wir einen anderen Ansatz gewählt und es lief einfach alles ideal. Außerdem war mir bei der Reha wichtig, dass es ein kleines Team gibt, in dem die Aufgabenbereiche klar verteilt werden. Aufgaben und Verantwortungen wurden also klar bestimmt und kommuniziert. Mein Anspruch an das Team um mich herum und mich selbst war klar: Wir müssen die extra Meter gehen, um endlich Erfolg zu haben. Zusammen haben wir einen klaren Plan erstellt und diesen verfolgt. Sowohl in der Reha im Kraftraum, als auch auf dem Platz. Ich habe gelernt, dass der Übergang zurück auf den Platz besonders kritisch ist. Also war mir wichtig, dass es da klare Vorgaben gab. Und die gab es. Es wurde darauf geachtet, dass Inhalte aufeinander aufbauen und abgestimmt sind. Ich denke das alles zusammen hat dafür gesorgt, dass ich wieder zurück zum Fußball konnte.“
„Es waren insgesamt 729 Tage, die Du ausgefallen bist. Was hat sich für Dich durch diese Zeit verändert und was nimmst Du aus dieser Zeit mit?“
„Durch diese extrem lange Ausfallzeit habe ich viele wichtige Entwicklungsschritte in meiner Fußballkarriere verpasst. Ich habe also einfach viel Zeit im Profigeschäft verloren, die ich so nicht wiederbekomme oder aufholen kann. Vor der Verletzung war ich auf dem Weg zum professionellen Fußball. Man merkt dann aber schnell, dass die Welt nicht stehen bleibt, sondern mit jedem Jahr neue Talente hochkommen und man ein wenig in Vergessenheit gerät.Aus dieser Zeit habe ich jedoch auch einiges gelernt. Egal wie unmöglich diese Aufgabe über die Zeit doch geworden war, war es am Ende möglich wieder Fußball zu spielen. Dank einer perfekten Reha mit einem Team, das Erfahrungen mit solchen Verletzungen hatte. Gerade deswegen kann ich meinen Körper jetzt aber fast perfekt einschätzen und kann unnötigen Risiken aus dem Weg gehen. Ich habe gelernt wie wichtig ein gutes Team auch außerhalb vom Platz ist.“
„Du bist Torhüter und hast damit ein anderes Belastungsprofil als andere Fußballer. Zusammen mit Deiner Verletzungshistorie ist es spannend zu erfahren, wie eine Trainingswoche bei Dir aussieht. Kannst Du uns einen Einblick geben?“
„Grundsätzlich habe ich inzwischen eine Routine. Vor jedem Training mache ich einen Statik Check und habe mein individuelles Warm up. Mein Training wird, wie für jeden Spieler, auf meine Position als Torhüter angepasst. Als Torhüter ist die Explosivkraft besonders wichtig. Neben den normalen Trainingsinhalten sind außerdem Technik, das Spielverständnis und torwartspezifische Abläufe wichtig. Für mich speziell ist die Periodisierung das Wichtigste. Ich schaue, dass ich mein Beinkrafttraining so plane, dass es zu keiner Überbelastung mit den Einheiten auf dem Platz kommt. Außerdem ist mir die passive und aktive Regeneration ganz wichtig.“
„Welchen Tipp kannst Du anderen Sportlern mit langwierigen und komplizierten Verletzungen geben?“
Ich glaube jeder, egal ob verletzt oder nicht, sollte sich kritisch und ehrlich selbst reflektieren. Man sollte sich die Frage stellen, was will ich und wie gut bin ich. Mache ich alles dafür, dass ich meine Ziele erreiche. Und dann muss man sich mit den für sich relevanten Themen beschäftigen. Nur so kannst du Prozesse beurteilen. Man darf sein Schicksal nicht dem nächst Besten in die Hand geben. Außerdem ist es ganz wichtig, dass man eine offene Kommunikation mit seinem Team hat, sodass man Ideen, Fort- und Rückschritte aber auch Sorgen austauschen kann. Man kann die Leistung aller respektvoll einfordern, sodass alle 100% geben. Und dann den Plan Schritt für Schritt und ohne Zeitdruck, sauber abarbeiten. Der klassische Tipp ist natürlich: Nie aufzugeben. Im Nachhinein kannst du nichts mehr verändern. Und wenn etwas so langwierig und kompliziert ist, liegt es oftmals daran, dass im bisherigen Verlauf etwas nicht gepasst hat. Diese Stellschraube muss man finden und Zeit, Kraft und Geduld investieren, um alle nötigen Schritte zu gehen.“
„Vielen lieben Dank Lukas für Deine Zeit und die persönlichen Einblicke in diese zwei Jahre“