Herzlich Willkommen zu PARTes the Blog.
Ein Blog, in dem wir uns mit Inhalten aus Gesundheit, Sport und Training beschäftigen möchten. Hierfür laden wir uns viele interessante Menschen aus Sport, Medizin und Wirtschaft ein. Unser heutiger Gast ist aktiver Beamter des Spezialeinsatzkommandos. Aus diesem Grund bleibt er vollständig anonym und es werde keine Daten erwähnt, die Rückschlüsse auf seine Identität zulassen.
Unser Gast hat selbst einen langjährigen Leistungssporthintergrund. Mit Mitte 20
begann er seinen Dienst bei der Polizei und kam mit Ende 20 zum SEK. Während seiner Zeit beim SEK entschied er sich ein zweijähriges Studium bei der Polizei zu absolvieren, wonach er dann zurück in den aktiven Einsatz beim SEK kam. Wir möchten mit Ihm über spezifische Belastungen
der Spezialeinheiten sprechen und welche Rolle Training und Therapie dabei in seiner
Karriere spielen.
„Welchen besonderen Belastungen sind Spezialkräfte im Dienst ausgesetzt?„
„Besonders an unseren Alltagsbelastungen ist, dass wir immer mit Ausrüstungen unterwegs sind. Das bedeutet, dass wir immer ein Zusatzgewicht von mindestens 35-40 Kg haben und damit trotzdem agil und handlungsfähig bleiben müssen. Und das vor allem über längere Zeiträume hinweg, je nachdem wie lang so ein Einsatz eben dauert. Darauf müssen wir uns ausreichend vorbereiten, um in den Einsätzen voll leistungsfähig zu sein.
In den klassischen Sportarten gibt es zudem Höhepunkte, wie Wettkämpfe, auf die man hintrainiert. Das ist bei uns nicht so. Wir müssen immer und überall abrufbereit sein und müssen deshalb unseren Trainingsstand über einen sehr langen Zeitraum gleich halten.
Das Training an sich ist dabei sehr allgemein gehalten, um möglichst breit vorbereitet zu sein. Es besteht vor allem aus Laufen, Kraftsport und wird ergänzt durch Klettern und ein wenig Schwimmen. Die Regeneration müssen wir bewusst selbst steuern und je nach Einsatz, in unseren normalen Alltag integrieren, um unsere Fähigkeiten jederzeit wieder abrufen zu können.“
„Wie hast Du Dich auf diese Belastungen vorbereitet?„
„Sport und Training ist Teil des Dienstalltags. In den Dienststellen gibt es Trainingsflächen mit ausreichend Equipment, das wir nutzen können. Wie wir trainieren, können wir allerdings selbstständig gestalten. Wir sind also Alle selbst dafür verantwortlich, jederzeit einsatzbereit zu sein.
Ich trainiere drei bis vier mal die Woche Kraft in einem Split. Dazu kommen je nach Belastung durch Einsätze noch ein bis zwei Einheiten Intervalle und Grundlagenausdauer hinzu.“
„Wie haben Dich Physiotherapie und Training dabei in Deiner Karriere unterstützt?„
„In unserem Beruf gehören Schmerzen und Verletzungen dazu. Wichtig ist es, die Regeneration einzuhalten und sie bewusst in den Alltag einzubauen. Das heißt zum Beispiel, nach besonders beanspruchenden Einsätzen weniger intensiv zu trainieren und die Regenerationszeit anzupassen.
Ich selbst habe bereits drei größere Verletzungen in meiner Karriere hinter mir. Ich habe mich jedesmal gegen eine stationäre Reha und bewusst für die Kombination aus Physio und spezifischem Rehatraining entschieden. So konnte ich meine Verletzungen optimal ausheilen, aber mich auch spezifisch wieder an die Einsatzbelastungen herantasten. Gerade mit dem Training konnten wir dabei auch präventiv viel arbeiten.
Ich habe aus den Verletzungen gelernt, für mich mehr Fokus auf die Mobilität und auf meine Rumpfstabilität zu legen.
Insofern hat mir Physiotherapie und Training gerade nach größeren Verletzungen sehr geholfen meinen Beruf weiterhin ausführen zu können. Aber auch um mich präventiv vorzubereiten.“
„Worauf müssen Spezialkräfte, hinsichtlich der körperlichen Arbeit besonders achten? Gibt es da, Deiner Meinung nach noch Potentiale?„
„Ich denke, es ist wichtig das Training möglichst vielschichtig zu gestalten und so etwas wie Mobilität frühzeitig mit einzubauen. Das muss natürlich zu einem gewissen Grad jeder für sich selbst herausfinden, was wichtig ist und was der Körper braucht. Aber ich denke allgemein ist es einfach wichtig unsere Gesundheit, trotz fordernden Beruf, zu erhalten. Das bedeutet auf Regeneration und Schlaf zu achten, die Basics wie Rumpfstabilität und Mobilität nicht zu vernachlässigen und ergänzend gezielte Physio zu machen.
Bewusste Trainingssteuerung und vor allem auch die Überlastungssteuerung können, denke ich, einen großen Unterschied für uns Einsatzkräfte machen.“
„Welche Tipps würdest Du jungen Kollegen, die Deinen Weg gehen wollen, geben?„
„Ich kann nur jedem empfehlen, der zum SEK möchte, sich durchzubeißen. Da das Training in Eigenverantwortung stattfindet, muss man eine extrem hohe Eigenmotivation mitbringen. Die Kontinuität im Training ist wichtig und die muss man sich selbst erarbeiten. Wir haben ein Mal im Jahr eine Diagnostik. Wie man aber gute Werte erreicht, muss jeder für sich selbst entscheiden und sich durch das Training beißen. Ich denke, dass jeder in spezifisches und qualitatives Krafttraining investieren sollte und vor allem auch den Fokus auf Intervallbelastungen legen sollte. Denn eine gewisse Grundlagenausdauer bringt jeder mit. Aber die Intervalle bereiten einen auf die echten Einsätze vor.“
Wir möchten uns bei unserem heutigen Gast und allen Einsatzkräften von Polizei, Feuerwehr, Bundeswehr, Rettungsdienst sowie Ärzten und Pflegern für ihren täglichen Einsatz bedanken!