Ein Blog, in dem wir uns mit Inhalten aus Gesundheit, Sport und Training beschäftigen möchten. Hierfür laden wir uns viele interessante Menschen aus Sport, Medizin und Wirtschaft ein.

Unser heutiger Gast ist Thomas Deißenberger, langjähriger Medienunternehmer und Executive. Mit Ihm sprechen wir über die gesellschaftliche Rolle des Sports in Deutschland und inwiefern die Medien diese beeinflussen.

„Servus! Welche gesellschaftliche Rolle nimmt Deiner Meinung nach Sport in Deutschland ein?“

„Deutschland ist ein Sportland. Man sieht das unter Anderem an den hohen Zustimmungswerten für mögliche olympische Spiele in Deutschland.

Man muss aber auch festhalten, dass Fußball eine sehr dominante Rolle im Vergleich zu den sogenannten second tier Sportarten, wie Volleyball, Basketball, Leichtathletik etc. spielt.

Sportarten wie zum Beispiel Tennis und Handball sind  dabei diese Lücke immerhin etwas zu schließen.  Ich sehe die Verantwortung vor allem bei den Sportverbände und der Wirtschaft, den Sport in Deutschland weiter zu entwickeln und die Strukturen zu professionalisieren. Dazu gehört auch die Verantwortung im Umgang mit Spitzensportlern in der Gesellschaft. Gerade die Vorbildfunktion von Athleten wird meiner Meinung nach in Deutschland nicht im vollen Potential ausgeschöpft. Da brauchen wir noch große Schritte in der Sport- und Athletenförderung nach Vorne“

„Inwieweit beeinflussen die deutschen Medien diese Rolle ?“

„Medien insgesamt haben die Macht Sportarten, Athleten, Trainer und Sportarten Publizität zu verleihen. Das gilt im Positiven, wie im Negativen.Es hängt immer auch  an Persönlichkeiten und einzelnen Athleten, die medial Präsenz zeigen und  die man mit bestimmten Sportarten verbindet.Tennis wurde damals durch Boris Becker in Deutschland groß und nach dem Gewinn der Basketball Weltmeisterschaft stiegen die Anmeldezahlen in Basketball Vereinen signifikant. Medien bieten eine Plattform, aber das Potential trägt der Sport und vor allem die Athleten selbst.“

   „Hat sich die Beziehung zwischen Sport und Medien in den letzten Jahren gewandelt?“

Medien hatten und haben schon immer eine starke Rolle. Das gilt heute, aufgrund der Medienvielfallt  mit TV, Streaming, Online, digital, etc. umso mehr. Auch im Sport.

Es hat sich in der Darstellung vieles in Richtung Entertainment und Boulevardisierung  verändert. Das heißt, dass nicht nur das Sport Event oder der Athlet im Fokus stehen, sondern auch sein Umfeld, die Familien und das Privatleben. Hier ist es oft schwer die Trennlinie zwischen Journalismus und Boulevard zu erkennen.

Darüber hinaus gibt es eine deutlich größere Anzahl von Medien. Das heißt, dass auch im Sport der Bedarf an Content deutlich gestiegen ist. Nicht nur Leistung sondern auch die „Vermarktbarkeit“ einer Sportart entscheiden hier über Sendeplatz und Übertragung.  Gerade da ist die Schere zwischen Fußball und den second tier Sportarten besonders deutlich. Vor allem im Fußball stehen die Medien in einer Art Wechselbeziehung mit Verbänden, wenn es um Lizenzkosten und der Kommerzialisierung geht.“

   „Wie schätzt Du die Auswirkung einer Pay-Wall, also das Bezahlen von sportlichen Inhalten ein?“

Sportarten leben von Publizität und einem Höchstmaß an Verbreitungswegen.  Auch hier bietet lediglich Fußball einen Ausnahme . Für Fußball sind sehr viele Leute bereit Geld zu zahlen und verschiedenste Abonnements abzuschließen. Auch wenn wir gerade eine Zersplitterung der Fußballrechte wie nie erleben. Für alle anderen Sportarten sehe ich die Pay-Wall als große Gefahr, Verbreitung, Interesse und auch die Bedürfnisse von Sponsoren zu verlieren. Das kann ein Teuefelskreis sein. Nur wenige Fans sind bereit Abos abzuschließen. Ohne Abonnements kaum Verbreitung. Ohne Verbreitung keine Sponsoren. Und so weitere.“  

Welchen Tipp hast Du für junge Sportler um sich in den Medien als Marke zu platzieren?“ 

„Gerade in den Second Tier Sportarten ist es für einzelnen Athleten wichtig, sich selbst zu vermarkten. Auch für die Sichtbarkeit der Sportart im Ganzen.  Medien interessieren sich neben der rein sportlichen Leistung auch für die Stories dahinter. Storytelling und Kreativität ist heute ein geflügeltes Wort.

Medien suchen authentische, emphatische und präsentierbare Athleten. Dies ist vor allem auch in Richtung Sponsoren und kommerziellen Interessen wichtig.

Die Kunst besteht darin, Andere an seinem Athleten Leben teilhaben zu lassen, ohne zu viel von sich Preis zu geben und trotzdem Persönlichkeit zu zeigen.“

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